Broschüre: Basispflege und Therapie bei Neurodermitis

Mit dieser Broschüre möchten wir Ihnen kurz die Hintergründe Ihrer Erkrankung erläutern und aufzeigen, mit welchen Therapien und aktuellen Behandlungsstrategien sich der Hautzustand langfristig verbessern und Ekzemschübe wirkungsvoll verzögern und abschwächen lassen.


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Neurodermitis

Der Leidensdruck bei chronischen Erkrankungen ist hoch und kann die gesamte Familie und das soziale Umfeld belasten.

Neurodermitis, atopisches Ekzem, atopische Dermatitis, endogenes Ekzem – all diese Namen stehen für ein und dieselbe chronische Hauterkrankung. Charakteristisch für diese Krankheit sind die schubweise auftretenden entzündlichen und heftig juckenden Ekzeme. Zwischen Krankheitsschüben mit akuten Symptomen gibt es Phasen, in denen die Haut keine Krankheitszeichen aufweist, jedoch stark trocken und empfindlich ist.

Neurodermitis ist die häufigste chronisch-entzündliche Hautkrankheit im Kindesalter. Sie kann prinzipiell in jedem Lebensalter auftreten. Bei den meisten Patienten zeigt sie sich um den 3. bis 4. Lebensmonat. In Deutschland leiden etwa 14 Prozent der Kinder im Grundschulalter darunter. Typischerweise verbessert sich der Hautzustand beim Heranwachsen. Schätzungsweise 2 bis 3 Prozent der Bevölkerung

Auffallend ist, dass die Erkrankungsrate in den letzten Jahrzehnten deutlich angestiegen ist. Als Gründe hierfür werden veränderte Lebensumstände, eine vermehrte Allergenbelastung, verbesserte Hygiene und damit fehlendes Training für das Immunsystem sowie Belastungen durch Luftschadstoffe (verursacht z. B. durch Verkehr und Tabakrauch) diskutiert.

  Ursachen und Auslöser

Heute leiden deutlich mehr Kinder an Neurodermitis als früher. In den 1960er Jahren waren etwa 2 bis 3 Prozent zwischen Geburt und Einschulung erkrankt, heute sind es vier- bis sechsmal so viele. Etwa jedes sechste Kind ist betroffen.

Die medizinisch-dermatologische Forschung versucht seit Jahren, den Geheimnissen der Neurodermitis auf die Spur zu kommen. Dennoch sind die genauen Ursachen der Erkrankung bislang nicht geklärt. Man weiß jedoch, dass es eine Reihe von Faktoren gibt, die zur Entstehung der Erkrankung beitragen können. Die genetische Veranlagung spielt dabei eine große Rolle: Einerseits haben Neurodermitispatienten sehr oft eine vererbte Ekzembereitschaft, neigen zu trockener, empfindlicher Haut und einer gestörten Hautbarriere. Andererseits besitzen sie eine erbliche Veranlagung für Überempfindlichkeitsreaktionen des Immunsystems. Hinzu kommen bestimmte Provokationsfaktoren, die einen Schub auslösen können. In welchem Maße all dies das Krankheitsgeschehen beeinflusst, lässt sich allerdings nicht genau vorhersagen und ist von Patient zu Patient individuell verschieden.

  Bedeutung der Hautbarriere

Eine wichtige Voraussetzung für eine gesunde Haut ist die intakte Hautbarriere. Sie wird im Wesentlichen von der äußersten Hautschicht, der Hornschicht, gebildet. Der Aufbau der Hornschicht wird gerne mit einer Mauer aus Ziegelsteinen und Mörtel verglichen. Die geschichteten Hornzellen sind dabei die Ziegel, der Mörtel wird von verschiedenen Hornfetten (epidermale Lipide) gebildet. Ein intakter Verbund aus Hornzellen und -fetten schützt davor, dass Fremdstoffe wie z. B. krankheitserregende Keime, schädliche Substanzen aus der Umwelt und Allergene in den Körper eindringen können. Außerdem verhindert er, dass zu viel Feuchtigkeit über die Haut nach außen abgegeben wird und die Haut austrocknet.

Das Ziegel-Mörtel-Modell der Haut erklärt den Aufbau der Hautbarriere. Der Mangel an Feuchthaltefaktoren und Hornfetten in der Hornschicht von neurodermitiskranker Haut führt dazu, dass die Hautbarriere durchlässiger und folglich die Haut stark trocken und sehr empfindlich ist.

Bei Neurodermitis ist der Aufbau der Haut so verändert, dass sie ihre Funktion als Barriere nicht mehr so gut erfüllen kann. Daher reagiert die Haut von Neurodermitispatienten besonders empfindlich auf eine Reihe von äußeren Faktoren.

  Einfluss der Hautflora

Es gibt noch einen weiteren Unterschied zwischen gesunder und neurodermitiskranker Haut. Unsere Haut ist mit einer Vielzahl unterschiedlicher Mikroorganismen besiedelt. Diese sogenannte Hautflora trägt dazu bei, den Organismus vor fremden Keimen zu schützen. Untersuchungen zeigen, dass bei Patienten mit Neurodermitis die mikrobielle Besiedlung der Haut gestört ist. Die Vielfalt der Keime ist geringer, wodurch sich bestimmte Bakterien wie z. B. Staphylococcus aureus besser durchsetzen und vermehren können. Offensichtlich beeinflusst Staphylococcus aureus das Krankheitsgeschehen der Neurodermitis. Die Bakterien können Krankheitsschübe auslösen und Ekzeme verschlechtern.

  Rolle des Immunsystems

Das Immunsystem ist zuständig für die Abwehr von körperschädigenden Substanzen, z. B. Krankheitserregern wie Bakterien oder Viren. Es ist in der Lage, körperfremde Stoffe, die über Haut, Schleimhäute, Mund und Atemwege in den Körper gelangt sind, zu erkennen und zu bekämpfen. In manchen Fällen reagiert es allerdings übertrieben heftig auch auf harmlose Substanzen wie z. B. Pollen, Tierhaare oder Bestandteile in Nahrungsmitteln. Die Abwehrmaßnahmen lösen Entzündungsreaktionen aus, die zu den juckenden Hautekzemen der Neurodermitis oder anderen Symptomen einer Allergie führen.

  • Atopie

    Die Ursachen für eine Überreaktion des Immunsystems sind bislang nicht in allen Einzelheiten bekannt. Es hat sich allerdings gezeigt, dass Neurodermitiker eine genetische Veranlagung zu einer solchen Überempfindlichkeitsreaktion besitzen. Diese Veranlagung wird als Atopie bezeichnet. Nicht nur Neurodermitis, auch das allergische Asthma, Heuschnupfen und Nahrungsmittelallergien gehören zu den Erkrankungen des atopischen Formenkreises. Für all diese Krankheiten gilt: Das Erkrankungsrisiko steigt, wenn Eltern oder Geschwister an einer Atopie leiden.

Das Risiko für Neugeborene, eine Atopie zu entwickeln, ist abhängig von der Atopiebelastung in der Familie.

  Provokationsfaktoren

Winterzeit ist Neurodermitiszeit. Die saisonalen Schwankungen sind auf mangelnde UV-Strahlung, kratzende, warme Kleidung und trockene Heizungsluft zurückzuführen.

Die genetischen Veranlagungen für eine gestörte Hautbarriere und für eine Überempfindlichkeit des Immunsystems sind häufig nicht die alleinigen Ursachen für die Entwicklung einer Neurodermitis. Vielmehr gibt es verschiedene äußere Faktoren, die die Erkrankung auslösen oder verstärken können. So können z. B. Umwelteinflüsse und falsche Hautpflege die Hautbarriere nachhaltig schädigen. Dadurch verliert die Haut an Feuchtigkeit, wird trocken und spröde. Sie reagiert empfindlicher auf äußere Reizungen und Schadstoffe können leichter eindringen.

Die folgende Liste nennt die wichtigsten Provokationsfaktoren, von denen häufig mehrere gleichzeitig auftreten, und erklärt, wie diese vermieden oder gemildert werden können:

  • Allergene wie z. B. Pollen, Tierhaare, Hausstaub oder bestimmte Nahrungsmittel: Sie lösen eine Überreaktion des Immunsystems und den Entzündungsprozess der Haut aus. Um abzuklären, ob Allergene zur Verschlechterung der Neurodermitis beitragen, sollte ein Allergologe aufgesucht werden. Er wird einen Allergietest durchführen und Maßnahmen zur Meidung der auslösenden Allergene erklären.
  • Milde, seifenfreie Waschlotionen mit rückbefeuchtendem Effekt sind am besten zur Reinigung der trockenen Haut geeignet.

  • Falsche Pflege: Zu intensiver Wasser- und Seifenkontakt reizt die Haut und trocknet sie aus. Deshalb sollte nicht länger als 10 Minuten gebadet oder geduscht werden. Zur Reinigung der Haut sind sanfte, seifenfreie und rückbefeuchtende Waschlotionen geeignet, die möglichst keine Duft- und Konservierungsstoffe enthalten. Nach der Reinigung muss die Haut stets eingecremt werden.
  • Reizungen durch Kleidung: Bereits Kleidung aus rauen Synthetik- oder Wollfasern kann eine Hautreaktion auslösen. Wer an reizempfindlicher Haut leidet, sollte möglichst Kleidung aus weichen Naturfasern wie z. B. Baumwolle oder Seide, aber auch Mikrofasern tragen und kratzende Stoffe wie z. B. Schurwolle meiden.
  • Infektionen, ausgelöst durch Viren, Bakterien oder Pilze: Krankheitserreger schwächen das Immunsystem und können die Entzündungen der Haut erheblich verstärken. Besteht der Verdacht auf eine Infektion, muss immer ein Hautarzt aufgesucht werden, der eine spezielle Behandlung einleiten wird.
  • Winterzeit ist Neurodermitiszeit. Kälte, Wind und trockene Heizungsluft können die Haut zusätzlich reizen.

  • Klima und Jahreszeit: Extreme Temperaturen, trockene Heizungsluft und geringe Luftfeuchtigkeit können der Hautbarriere schaden und dazu führen, dass die Haut Fett und Feuchtigkeit verliert. Daher sollte die Raumtemperatur möglichst nicht höher als 20 °C sein. Insbesondere in den Schlafräumen ist ein kühleres Klima zu bevorzugen. Eine relative Luftfeuchte zwischen 40 und 60 Prozent gilt als ideal.
  • Psychische Belastungen: Stress und Aufregung haben Einfluss auf das Immunsystem. Es werden vermehrt Botenstoffe ausgeschüttet, die u. a. den Juckreiz verstärken und zu einer Verschlechterung des Hautzustandes führen können. Gezieltes Entspannungstraining wie z. B. Yoga oder autogenes Training kann stressbedingten Neurodermitisschüben vorbeugen.

Um zu erkennen, durch welche der aufgezählten Faktoren das Krankheitsgeschehen möglicherweise beeinflusst wird, ist es hilfreich, ein Symptomtagebuch zu führen.