Broschüre: Basispflege und Therapie bei Neurodermitis

Mit dieser Broschüre möchten wir Ihnen kurz die Hintergründe Ihrer Erkrankung erläutern und aufzeigen, mit welchen Therapien und aktuellen Behandlungsstrategien sich der Hautzustand langfristig verbessern und Ekzemschübe wirkungsvoll verzögern und abschwächen lassen.


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Erscheinungsbild und Verlaufsformen

Im Säuglingsalter zeigen sich die Ekzeme gehäuft im Bereich der Wangen und auf der Kopfhaut.

Typisches Kennzeichen für die Neurodermitis ist ihr schubweiser Verlauf. Phasen, in denen die Haut chronisch trocken ist, und akute Krankheitsphasen mit stark juckenden, mitunter nässenden Ekzemen wechseln sich ab. Je nach Ausprägung und äußeren Einflüssen können noch weitere Symptome hinzukommen. Dazu gehören die Neigung zu Einrissen in den Mundwinkeln und an den Ohrläppchen (sogenannte Rhagaden), die doppelte Unterlidfalte (Dennie-Morgan-Falte), auffallende dunkelgräuliche bis braune Augenschatten und rissige Finger- und Zehenkuppen. Einige dieser Hautveränderungen treten charakteristischerweise in ganz bestimmten Altersphasen auf.

  Krankheitsverlauf

Die Neurodermitis kann ab dem dritten Lebensmonat beginnen. Beim Säugling sind vor allem die Wangen sowie der behaarte Kopf betroffen. Nach anfänglichen Rötungen der Haut bilden sich dort feine, gelblich weiße Schuppungen und Bläschen, die aufplatzen können. Daraus entwickelt sich oft ein nässendes, verkrustetes Ekzem, das umgangssprachlich als Milchschorf bezeichnet wird.

Chronische Handekzeme treten überdurchschnittlich häufig bei Patienten auf, die an Neurodermitis leiden.

Mit zunehmendem Alter verlagern sich die Hauterscheinungen. Im Kindergarten- und Schulalter treten die Ekzeme vor allem an Kniekehlen, Ellenbogen und Handgelenken auf. Man spricht deshalb vom Beugenekzem. Aber auch andere Körperbereiche wie Oberschenkel, Gesicht, Nacken und Oberkörper können betroffen sein. Insgesamt ist die Haut sehr trocken. Bei etwa einem Drittel der Kinder heilen die Ekzeme im frühen Kindesalter ab. Bei einem weiteren Drittel lassen die Krankheitsschübe bis zur Pubertät nach, können jedoch später wiederkommen. Nur etwa 3 bis 5 Prozent der im Kindesalter Betroffenen leiden auch noch als Erwachsene an den Symptomen der Neurodermitis.

Ein erstmaliges Auftreten der Neurodermitis im Erwachsenenalter ist auch möglich. Meistens tritt die Neurodermitis dann aber nicht in Verbindung mit anderen Allergien auf. Bei Erwachsenen zeigen sich Ekzeme vor allem im Lidbereich und am Hals. Mitunter kommt es auch zu einer Variante der Neurodermitis mit Knötchen in den Beugen von Kniekehlen und Armen. Darüber hinaus entwickeln Neurodermitispatienten häufig Hautentzündungen an den Händen mit juckenden Bläschen, trockener, schuppender Haut oder schmerzhaften Einrissen (chronisches Handekzem).

Doch auch wenn Ekzemschübe mit Hautrötungen und Entzündungen seltener werden oder ganz ausbleiben – die Haut bleibt fast immer empfindlicher und neigt schneller zu Trockenheit.

  Trockene Haut und Juckreiz

Stark trockene Haut führt häufig zu heftigem Juckreiz. Auch die im Krankheitsschub aufflammenden Ekzeme und Entzündungen sind mit quälendem Juckreiz verbunden. Schlaflosigkeit, Unruhe, vor allem aber heftige Kratzattacken sind die Folge. Doch das Kratzen, Scheuern oder Rubbeln der Haut verschafft nur kurzfristige Linderung. Vielmehr fügt man der Haut Verletzungen zu, schädigt noch mehr die Hautbarriere und erhöht damit die Ekzembereitschaft und den Juckreiz. Die regelmäßige Pflege der Haut beugt Hauttrockenheit und damit dem Juckreiz vor.

Strategien gegen den Juckreiz

  • Pflegen Sie Ihre Haut regelmäßig (siehe Behandlungskonzept Basistherapie).
  • Meiden Sie Faktoren, die die Hauttrockenheit fördern (z. B. häufiges Waschen, heißes Duschen oder Baden, trockenes Klima).
  • Die Kleidung sollte möglichst keine kratzende Schurwolle und synthetische Materialien enthalten.
  • Bei akutem Juckreiz sollten Sie die Haut kühlen. Geeignet sind kalte Waschlappen bzw. Kühlpacks oder kühle, feuchtigkeitsspendende Cremes und Lotionen.
  • Statt zu kratzen ist es besser, die Haut zu kneifen, zu drücken oder zu klopfen.
  • Ein mit Leder oder Fensterleder bespanntes Holzklötzchen ("Kratzklötzchen") kann als Kratzalternative dienen.
  • Um nächtliches Aufkratzen der Haut zu vermeiden, sollten leichte Handschuhe oder spezielle Neurodermitisanzüge getragen werden.
  • Vermeiden Sie Stress.
  • Lernen Sie zu entspannen, z. B. durch autogenes Training oder Yoga.
  • Sport oder Spielen bieten die Möglichkeit zum Stressabbau und dienen der Ablenkung.

  Krankheitsschübe

Neurodermitis ist eine chronische, in Schüben verlaufende Krankheit. Die Symptome treten mal mehr, mal weniger heftig auf, doch auch in erscheinungsfreien Zeiten bleibt die Haut krank und ihre Barrierefunktion gestört. Selbst nach längeren Phasen ohne Beschwerden kann die Neurodermitis jederzeit wieder aufflackern. Um Krankheitsschübe zu vermeiden, bzw. um die schubfreien Phasen zu verlängern, sollte der Patient stets die Bedürfnisse seiner Haut im Blick behalten. Das betrifft insbesondere die konsequente Pflege der trockenen Haut auch in der schubfreien Zeit, sowie, wenn möglich, das Meiden bekannter Provokationsfaktoren.

Therapeutische Maßnahmen helfen, erscheinungsfreie Phasen zu verlängern und die Schwere der Krankheitsschübe zu verringern.

  Allergischer Marsch

Der Begriff "Allergischer Marsch" beschreibt die typische, vom Lebensalter abhängige Abfolge der atopischen Erkrankungen. Es beginnt im Säuglingsalter mit Neurodermitis und Nahrungsmittelallergien, später steigt das Risiko für allergisches Asthma und Heuschnupfen.

Häufigkeit atopischer Erkrankungen in Abhängigkeit vom Lebensalter.